Der Ankertext ist der sichtbare Text eines Verweises – und damit das Signal, das am deutlichsten verrät, ob Links gewachsen oder gemacht sind. Natürlich entstandene Verweise benutzen die Wörter, die im jeweiligen Text gerade passen. Gekaufte und systematisch aufgebaute Verweise benutzen die Wörter, die ranken sollen. Genau diese Regelmäßigkeit ist es, die im Profil auffällt. Dieser Überblick zeigt dir, wie du die Verteilung sauber auswertest und woran du echte Risiken von harmlosen Auffälligkeiten unterscheidest.
Warum der Ankertext überhaupt zählt
Der Ankertext beschreibt aus Sicht der verlinkenden Seite, worum es beim Ziel geht. Er ordnet den Verweis thematisch ein und beeinflusst mit, für welche Themen eine Seite als relevant gilt.
Weil dieses Signal so direkt ist, wurde es jahrelang missbraucht – und entsprechend genau wird darauf geschaut. Google nennt in seinen Spam-Richtlinien Links mit optimiertem Ankertext in Artikeln, Pressemitteilungen oder Gastbeiträgen ausdrücklich als Beispiel für Link-Spam. Für dich heißt das: Nicht der einzelne Ankertext ist interessant, sondern das Gesamtbild und die Frage, ob es zufällig entstanden sein könnte.
Welche Arten von Ankertexten es gibt
In der Praxis lassen sich Ankertexte in wenige Gruppen einteilen. Markenanker nennen den Namen des Angebots. Adressanker bestehen aus der Webadresse in irgendeiner Schreibweise. Generische Anker sind Formulierungen wie „hier“, „mehr dazu“ oder „diese Seite“.
Dazu kommen beschreibende Anker, die das Thema in eigenen Worten benennen, und exakte Keyword-Anker, die genau den Begriff verwenden, auf den eine Seite abzielt. Eine eigene Gruppe bilden Bildverweise, bei denen der Alternativtext die Rolle des Ankers übernimmt, sowie leere Anker ohne jeden Text. Mischformen wie Marke plus Keyword ordnest du am besten einer festen Gruppe zu und bleibst bei dieser Regel.
Daten exportieren und sauber aufbereiten
Bevor du irgendetwas bewertest, muss die Datenbasis stimmen. Exportiere die Ankertexte aus den Linkberichten der Search Console und aus einem Backlink-Tool mit eigenem Linkindex, führe die Listen zusammen und entferne Dubletten. Zähle anschließend auf Ebene der verweisenden Domains, nicht auf Ebene einzelner Verweise – sonst kippt eine einzige Website mit tausenden Fußzeilenlinks deine gesamte Auswertung.
Achte zusätzlich auf Fußzeilen, Seitenleisten und Vorlagen. Verweise, die aus einem Template stammen, erscheinen auf jeder Unterseite einer fremden Website und erzeugen dadurch scheinbar massenhaft identische Anker, obwohl es sich um eine einzige redaktionelle Entscheidung handelt.
Ordne dann jeden Anker einer der Gruppen zu, am einfachsten in einer Tabelle mit einer Spalte für den Ankertyp. Trenne gewertete von als nofollow, sponsored oder ugc gekennzeichneten Verweisen. Und sieh dir den zeitlichen Verlauf an: Wann sind welche Anker dazugekommen? Ein Profil, das sich über Jahre langsam gefüllt hat, ist etwas völlig anderes als eines, das in wenigen Wochen entstanden ist.
Die Verteilung richtig lesen
Feste Prozentwerte, wie sie in vielen Anleitungen kursieren, halten einer Prüfung nicht stand. Google veröffentlicht keine Zielverteilung, und was unauffällig wirkt, unterscheidet sich stark zwischen Branchen, Sprachräumen und Websitetypen.
Arbeite deshalb relativ statt absolut. Drei Vergleiche helfen weiter: der Vergleich mit deiner eigenen Verteilung vor einem Jahr, der Vergleich zwischen deinen Unterseiten und der Vergleich mit etablierten Anbietern im selben Themenfeld. Auffällig ist, was aus diesen Vergleichen deutlich herausfällt – nicht, was eine Faustregel verletzt.
Was ein natürliches Bild ausmacht
Natürlich entstandene Profile sind unordentlich. Der Name des Angebots taucht in verschiedenen Schreibweisen auf, Adressen mal mit, mal ohne Protokoll, dazu viele beschreibende Formulierungen, generische Wendungen und vereinzelt exakte Begriffe.
Auch der zeitliche Verlauf ist unordentlich. Anker kommen in Schüben, wenn ein Beitrag Aufmerksamkeit bekommt, und dann monatelang gar nicht. Eine gleichmäßige, über Wochen konstante Zahl neuer Verweise mit ähnlichem Aufbau ist in natürlichen Profilen eher die Ausnahme.
Verdächtig ist das Gegenteil: eine kleine Zahl identischer Formulierungen, die sich über viele Domains wiederholen. Wenn dutzende fremde Seiten unabhängig voneinander denselben Vier-Wort-Anker gewählt haben sollen, ist das keine plausible Geschichte.
Risikomuster erkennen und im Kontext prüfen
Vier Muster sind es wert, genauer hinzusehen. Erstens die Häufung exakter kommerzieller Begriffe auf einer einzelnen Unterseite, während der Rest des Profils unauffällig aussieht. Zweitens Anker aus Themenfeldern, mit denen dein Angebot nichts zu tun hat – ein klassisches Zeichen für fremdes Zutun. Drittens der plötzliche Zuwachs: viele neue Domains mit ähnlichen Ankern in kurzer Zeit. Viertens die Kombination aus auffälligem Anker und auffälliger Umgebung, also Seiten ohne erkennbaren eigenen Zweck, ohne Publikum, mit automatisch erzeugten Texten.
Eine Verteilung allein sagt dabei wenig. Entscheidend ist, wo ein Verweis steht. Ein exakter Keyword-Anker mitten in einem redaktionellen Fachtext ist unproblematisch – so schreiben Menschen nun einmal. Derselbe Anker in einer Linkliste am Seitenende, umgeben von thematisch fremden Einträgen, erzählt eine andere Geschichte.
Sieh dir deshalb zu jedem auffälligen Anker die verlinkende Seite selbst an. Gibt es dort einen echten Beitrag, ein erkennbares Publikum, einen Grund für die Erwähnung? Diese Prüfung ersetzt jede Risikokennzahl aus einem Werkzeug.
Anker nach Rebranding, Umzug und Weiterleitungen
Nach einer Umbenennung oder einem Domainumzug verändert sich das Bild, ohne dass etwas Unnatürliches passiert ist. Ältere Verweise tragen weiterhin den früheren Namen oder die alte Adresse, neue Verweise den neuen. Eine Auswertung, die nur die aktuelle Domain betrachtet, unterschätzt deshalb den Anteil der Markenanker und überschätzt scheinbar die Keyword-Anker.
Beziehe bei Umzügen das Profil der alten Domain in die Auswertung ein und ordne alte Marken- und Adressanker derselben Gruppe zu wie die neuen. Verweise, die per Weiterleitung auf dich zeigen, gehören ebenso dazu. Wenn bei einem Umzug Weiterleitungen fehlen, verschwinden solche Verweise still aus dem Profil – wie du verlorene Backlinks findest und zurückgewinnst, ist nach jedem Umbau einen eigenen Blick wert.
Alte Anker musst du nicht aktiv ändern lassen. Nur bei wichtigen, redaktionellen Verweisen lohnt eine kurze Bitte, Name und Adresse zu aktualisieren.
Maßnahmen bei auffälligen Mustern
Stammt das Muster aus eigener Arbeit, ist die Korrektur naheliegend: bei aktiv aufgebauten Verweisen die Ansprechpartner um eine natürlichere Formulierung bitten, neue Verweise bewusst breiter streuen.
Stammt es von außen und ist es klar künstlich, gilt die übliche Reihenfolge: dokumentieren, Entfernung anfragen, und nur wenn das scheitert und der Befund eindeutig ist, prüfen, ob das Entwerten per Disavow-Tool sinnvoll ist. Ein auffälliger Anker allein rechtfertigt keinen Eingriff ins Linkprofil.
Baue keine Verweise auf, nur um eine Verteilung zu korrigieren. Das führt regelmäßig zum nächsten unnatürlichen Muster, diesmal mit generischen Ankern. Entwerte außerdem nichts allein aufgrund eines Risikowerts, und interpretiere keine Bewegung, bevor du die Datenbasis auf Domainebene bereinigt hast.
Behalte die Verhältnismäßigkeit im Blick: Viele Websites haben kein Ankertextproblem, sondern schlicht zu wenige gute Verweise. Zeit, die in kosmetische Korrekturen fließt, fehlt beim eigentlichen Aufbau.
Ankertexte bei eigenem Linkaufbau
Wenn du Verweise aktiv aufbaust, entscheidest du den Anker mit – und genau dort entstehen die Muster, die später auffallen. Überlasse die Formulierung im Zweifel der Gegenseite und gib nur die Zieladresse an. Was eine Redaktion selbst formuliert, fügt sich fast immer besser in ihren Text ein als eine Vorgabe.
Wenn du doch einen Vorschlag machst, orientiere dich am Satz, in dem der Verweis stehen soll, nicht an deiner Zielsuchanfrage. Ein Anker, der im Lesefluss unauffällig ist, erfüllt seinen Zweck; ein Anker, der wie eine Überschrift aus dem Text ragt, fällt in jeder späteren Prüfung als Erstes auf.
Dauerhaft dokumentieren
Lege eine einfache Übersicht an, die du in regelmäßigem Abstand fortschreibst: Verteilung nach Ankertyp auf Domainebene, die auffälligsten Anker, neu hinzugekommene Domains und dein Kommentar dazu. So erkennst du Veränderungen an der Bewegung, nicht am Bauchgefühl.
Diese Dokumentation zahlt sich besonders dann aus, wenn du erklären musst, wie ein Muster entstanden ist – gegenüber einem Kunden, einem Nachfolger oder bei einer Prüfung des eigenen Profils nach einem Verlust.
Häufige Fragen
Gibt es eine ideale Ankertextverteilung?
Nein, keine belegbare. Was unauffällig wirkt, hängt von Branche, Sprachraum und Websitetyp ab. Aussagekräftiger als jede Faustregel ist der Vergleich mit deinem eigenen früheren Profil und mit etablierten Anbietern im selben Themenfeld.
Sind exakte Keyword-Anker grundsätzlich riskant?
Nein. Sie kommen auch in natürlichen Profilen vor. Riskant wird ihre Häufung über viele Domains hinweg, besonders wenn sie auf eine einzelne kommerzielle Seite zielt und in fragwürdiger Umgebung steht.
Warum zählen Markenanker nach einem Rebranding scheinbar weniger?
Weil ältere Verweise noch den früheren Namen oder die alte Domain tragen. Ordne alte und neue Markenanker derselben Gruppe zu und beziehe bei einem Umzug das Profil der alten Domain ein.
Wie oft sollte ich die Verteilung prüfen?
Für die meisten Websites reicht ein Blick in größeren Abständen, etwa vierteljährlich. Häufiger lohnt es nach einem aktiven Linkaufbau, nach einem Websiteumbau oder wenn ungewöhnlich viele neue Domains auftauchen.
Was mache ich mit Ankern aus fremden Themenfeldern?
Erst prüfen, ob es sich um Einzelfälle handelt – die sind normal. Häufen sich solche Anker über viele Domains und fallen zeitlich zusammen, dokumentiere den Vorgang und behandle ihn wie jedes andere auffällige Linkmuster.